Vereinsgeschichte

Geschichte der Turngemeinde 1847 Corp. Nieder-Ingelheim e.V.

 

 

Vereinsgründung - Aufschwung - Niedergang (1847 - 1850)

 

 

Im Herbst 1847 tat sich eine stattliche Anzahl von Nieder-Ingelheimer Bürgern zusammen und gründete die Turngemeinde 1847 Nieder-Ingelheim. Wohlwollende Freunde des Vereins erlaubten es, die ersten Turngeräte zu beschaffen. Diese konnten dann, dank des Entgegenkommens des Besitzers im Park des Schlosses aufgestellt werden. So entwickelte sich recht bald ein eifriges turnerisches Leben auf dem ersten Turnplatz in Nieder-Ingelheim. Die TG trat dem allgemeinen Turnerbund bei und benannte ein Mitglied zur Teilnahme auf dem Bezirksturntag am 11. Mai 1848 in Mainz. Dort wurde dann von 24 Vereinen der Bezirksverband Rheinhessen gegründet.

Die Blüte der Ingelheimer und auch der rheinhessischen Turnbewegung war nur von kurzer Dauer. Da sich außer den sächsischen auch viele süddeutsche, badische, hessische und rheinhessische Turnvereine an der freiheitlich revolutionären Bewegung 1848/49 beteiligt hatten, hielten die betroffenen Regierungen den geeigneten Zeitpunkt für gekommen. Die Turnvereine wurden als politische Vereine durch Verordnung vom 2. Oktober 1850 aufgelöst.

 

 

Wiedergründung - Aufblühen der Turnbewegung - Stillstand (1860 - 1870)

 

 

Die Turner von Nieder-Ingelheim wurden am 26. August 1860 zu einer ersten Zusammenkunft aufgerufen. In eine vorliegende Liste konnte man sich als Mitglied des Turnvereins eintragen.

Am 14. Oktober 1860 wurde der erste ordentliche Vorstand (als Wiedergründungsvorstand) gewählt. Die Namen der Vorstandsmitglieder sind leider nicht bekannt.

Am 7. Juli 1861 beging die Turngemeinde Nieder-Ingelheim ihre Fahnenweihe. An diesem Tag gelangte sie wieder in den Besitz der ersten Turnerfahne. Dieses Banner hatten Frau de Roock und ihre Tochter Theodore bereits 1849 der Turngemeinde gestiftet. Wer die Turnerfahne bis zu diesem Zeitpunkt in Verwahrung hatte ist nicht bekannt.

Mit dem 29. August 1863 beginnt die Reihe der erhaltenen Protokollbücher.

Gegen Ende der 60er Jahre wurde das Vereinsleben wieder schwächer. An der Generalversammlung vom 17. November 1869 wurde beschlossen, das Vereinsvermögen zu versteigern und den Verein auf unbestimmte Zeit zu suspendieren.

 

 

Schwieriger Beginn - Überregionale sportliche Erfolge - Turnhallenbau (1870 - 1881)

 

 

Das Turnen war während des deutsch-französichen Krieges (1870-1871) eingestellt. Die Turngemeinde erhielt nach dem Kriegsende nur spärlichen Mitgliederzuwachs. Erst in den Jahren 1874/1875 ist wieder ein reger Turnbetrieb an neuen Turngeräten zu verzeichnen.

Im Jahre 1878 trat die Turngemeinde mit 45 Mitgliedern dem deutschen Turnverband bei und verzeichnete zu diesem Zeitpunkt an ein kräftiges Blühen und Gedeihen.

Auf der Generalversammlung vom 15. November teilte der 1. Sprecher J. Cyrenius den Mitgliedern den Beschluss des Vorstandes vom 12. November 1880 mit : Die Turngemeinde baut eine Turnhalle! Nach angeregter Debatte wurde der Vorschlag von der Versammlung einstimmig gebilligt.

Auf der Monatsversammlung am 14. Februar 1881: Sprecher Cyrenius macht dem Verein die Mitteilung, dass demselben durch Allerh. Entschließung des Großherzogs vom 5ten dieses Monats die Corporationsrechte verliehen wurden und kann infolgedessen in der Hallenbaufrage weiter fortgeschritten werden.

Die Einweihungsfeierlichkeiten fanden am vorletzten Samstag des Monats Juli statt. Dazu waren sämtliche Turnvereine des Gaues Rheinhessen eingeladen. Die Turngemeinde hatte damals 175 Mitglieder über 17 Jahre und 55 Mitglieder im Alter von 14-17 Jahren.

 

 

 

Bewährung für die Turngemeinde durch die Ausrichtung der Gau-Turnfeste der Jahre 1885 und 1895

 

 

Das noch vorliegende Festbuch von 1885 gibt Aufschluss über das auf dem Platz der Kaiserpfalz gegenüber der Saalkirche abgehaltene Fest. Die gesamte Bevölkerung, an der Spitze Baron von Erlanger, hatte nichts unterlassen, um zu einem vollen Erfolg beizutragen.

Der Name Nieder-Ingelheim fand Eingang in weite Turnkreise und wurde überregional mit Achtung und Anerkennung genannt.

1895 fand zum zweiten Mal ein Gau-Turnfest in Nieder-Ingelheim statt, auf dem sich eine aktive Musterriege und eine Jugend-Musterriege beteiligten und auch ausgezeichnet wurden.

 

Die Satzungen der Turngemeinde mussten den Anforderungen und den Bedürfnissen angeglichen werden (1887). In die gleiche Zeit fällt auch die Vergrößerung der Turnhalle durch den Bau einer Galerie. Das Turnhalleninventar wurde stetig und ständig vermehrt. Die Vervollständigung des Turnhallenausbaus wurde 1888 durch den Bau der Theaterbühne gewährleistet.

Auf der Mitgliederversammlung 1892 wurde beschlossen, die Turnhalle zu erweitern und nach schneller Umsetzung konnte am 18. Juni 1892 die erweiterte Turnhalle feierlich eingeweiht werden.

 

 

Das Vereinsleben der Turngemeinde 1847 in der Zeit von 1895 - 1914

 

 

Im Jahre 1901 werden die hinter der Turnhalle gelegenen Weinberge erworben und alsbald als Turnplatz hergerichtet.

Die Turngemeinde beteiligte sich auch an der Grundsteinlegung des Bismarckturms auf der Waldeck, ein Wahrzeichen der Größe des Deutschen Reiches. Geschlossen beteiligte sich die Turngemeinde an dessen Einweihungsfeier 1912.

1914 wurden weitere Felder hinzugekauft um einen Turnplatz herzurichten, der den Anforderungen eines modernen Turnbetriebs genügte. Die Einweihung des Platzes musste allerdings unterbleiben: der 1. Weltkrieg hatte am 1. August 1914 begonnen.

 

 

Kriegs- und Nachkriegszeit 1914 - 1922

 

 

Im 1. Kriegsjahr wurde in Eigenleistung der neue Turnplatz geschaffen und die Turnhalle gründlich renoviert. Von den aktiven Turnen folgten 330 Turnbrüder dem Ruf zu den Waffen, wobei 37 ihr junges Leben ließen. Die zurückgekehrten Turnbrüder fanden die Turnhalle vom französischen Militär besetzt, die Turngemeinde hatte ihr Hausrecht verloren.

Am Ende des Weltkrieges war der Turnbetrieb trotz aller Widrigkeiten wieder sehr rege und wurde in der Turnhalle der „neuen“ Schule abgehalten.

 

 

Große sportliche Erfolge – Gauturnfest in Nieder-Ingelheim 1922 – 1927

 

 

1920 entschloss sich die TG, nachdem die TUS Ober-Ingelheim wegen Inanspruchnahme Ihrer Turnhalle durch Besatzungstruppen die Mitwirkung ablehnte, das Gauturnfest allein zu übernehmen.

Der Festplatz war der Sportplatz an der Zementfabrik und die Turngemeinde erntete für die mustergültige Durchführung des Gauturntages die Anerkennung des Gaues Rheinhessen.

Auf der Mitgliederversammlung wurden die Anschaffung einer größeren Bühne und der Einbau einer Empore beschlossen.

Im Jahre 1922 feierte die TG den 75. Jahrestag ihrer Gründung mit einem großen Fest.

Die Inflation zeigte ihre Spuren, die Kassierung der Mitgliedsbeiträge gestaltete sich kaum rentabel und die Ausweisung von zahlreichen Mitgliedern durch die Besatzungsmacht wirkte sich äußerst negativ aus.

1924 wurde die Vereinshalle, unter anderem mit einer großzügigen Spende in Höhe von 500 Reichsmark des Ehrenmitgliedes Kommerzienrat Dr.h.c.Boehringer, umgebaut und noch im gleichen Jahr eingeweiht.

Auf dem Gauturntag 1926 in Pfeddersheim wurde der Antrag der TG, das Gauturnfest 1927 in Nieder-Ingelheim stattfinden zu lassen, nahezu einstimmig gebilligt und es wurde dafür das Gelände der Emmerlingschen Gutsverwaltung mit 25.000 qm zu Verfügung gestellt. Am Vorabend des Festes wurde die 55 x 26 m große Festhalle von einem orkanartigen Sturm schwer beschädigt. Die Turner schafften es mit vereinten Kräften bis zu Eröffnung alles wieder herzustellen und das Fest wurde wieder mustergültig abgehalten.

 

 

1922 – 1939

 

 

Auf vielfältigen Turnfesten wurden die TG Turner vielfach geehrt und kehrten mit zahlreichen Siegen zurück.

 

 

1939 - 1945

 

 

Mit Ausbruch des Krieges am 01.09.1939 musste der Turnbetrieb eingestellt werden und die Turnhalle war vom ersten Tag von verschiedenen Truppenteilen belegt. Schon 1941 mussten alle Wanderpreise aus Metall, die nicht nur ideellen sonder auch materiellen Wert hatten, an die Metallsammlung abgeliefert werden.1942 fand die „Jahresarbeitstagung der Gaufachwarte Turnen im NS-reichsbund für Leibesübungen“ unter der Organisation der beiden großen Turnvereine, TG 1847 Nieder-Ingelheim und der TUS Ober-Ingelheim statt.

Mit Kriegsende und dem Einrücken der Amerikaner am 20.März 1945, wurden alle Vereine verboten, das Vermögen und die Vereinshalle mit Beschlag belegt. Durch das Nachrücken der Franzosen wurden bestehende Bestimmungen gelockert und es wurde erlaubt in beschränktem Maße wieder Sport zu treiben.

 

 

Die Neuzeit 1948 – 1960

 

 

Bemühungen um die Wiedergründung der Turngemeinde wurde vorerst nicht stattgegeben. Das Turnen wurde als vormilitärische Übung strengstens untersagt. Direkt nach Kriegsende wurde das Turnen wieder erlaubt und eine Versammlung der „alten“ Turner der TG einberufen. Der selbständigen Abteilung Turnen Ingelheim-Mitte traten spontan 151 Mitglieder bei.

Im August 1948 konnte in der festlich geschmückten Turnhalle die „Sportgemeinde 1847 Ingelheim“ gegründet werden.

Der Turn- und Sportbetrieb setze nun in allen Abteilungen sehr rege ein. Und wieder wurden auf zahlreichen Sportveranstaltungen Ehrungen und Siege errungen.

 

 

1960 – 1997

 

 

am 27.1.1962 gründeten die beiden großen Turnvereine ihre Leichathletikabteilungen zur „Ingelheimer Leichtathletik-Gemeinschaft (ILG)“.

Im Jahre 1966 wurde auf Anregung der Frauenabteilung der Um- und Erweiterungsbau der Turnhalle ins Auge gefasst. Dem Mangel an Umkleideräumen und den veralteten Toilettenanlagen musste unbedingt entgegengewirkt werden.

Im November 1968 fand auf Anregung der Frau des 1. Vorsitzenden, Frau Marga Hofmann, der erste Martinszug statt. Begleitet wurde der Zug schon damals von den „Vereinigten Bläserchören“.

 

Am 2.April 1972 feiert die Turngemeinde 1847 ihr 125jähriges Bestehen. Durch die Feierlichkeiten führte kein Geringerer als der Urfastnachter Rolf Braun vom KCK.

Im Jubiläums-Jahr war ohne Zweifel der 9tägige Aufenthalt der sowjetischen Olympia-Turnerriege der absolute Höhepunkt.

 

Ab 1.1.1980 firmiert die Turngemeinde als eingetragener Verein unter Turngemeinde 1847 Corp. Nieder-Ingelheim e.V.

 

Durch An- und Innausbau der Turnhalle (1980-1982) konnten die Abteilung Basketball und Badminton gegründet werden. Die Tennisabteilung baut weitere Tennisplätze.

Seit August 1985 wurden unter der Leitung diplomierter Sportlehrerinnen zeitgemäße Abteilungen im Fitness- und Gesundheitssport gegründet.

Am 1.Juni 1987 wurde der Turngemeinde 1847, als einzigem Verein aus Rheinland-Pfalz, die Sportplakette des Bundespräsidenten verliehen. Die Plakette wurde im Internationalen Congress Centrum (ICC) durch den damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker überreicht.

 

Seit 1994 trägt die Turngemeinde die Auszeichnung des Deutschen Turnerbundes mit dem Pluspunkt Gesundheit.DTB. Diese Verleihung geht ausschließlich an besonders qualifizierte Übungsleiter/innen und Sportlehrer/innen.

1997 feierte der Verein sein 150-jähriges Bestehen und konnte sich über mehr als 2000 Mitglieder freuen. In den folgenden Jahren wurde das Sportangebot des Vereins sukzessive erweitert und attraktiver gestaltet.

 

 

2000 - 2007

 

 

2001 begann der Verein mit dem Projekt „Neue Sporthalle“, das 2010 seinen Abschluss finden sollte, und gründete zur Finanzierung des Neubaus den TG-Förderkreis.

 

Seit August 2002 hat der Verein das Modell Kindergarten und Verein umgesetzt, das bis heute immer noch besteht.

Im September 2002 startete die TG 1847 Nieder-Ingelheim mit einer vereinsinternen Sportschule. Mit der Sportschule für Kinder und Jugendliche konnte die TG ihr bisheriges Sportangebot ergänzen und es wurde ein Versuch gestartet, den Leistungsbereich zu fördern.

 

Mit dem 1. April 2005 trat die Showtanzgruppe „Just for Fun“ der Turngemeinde Nieder-Ingelheim bei.

 

 

2008 - 2012

 

 

Im Jahre 2008 wurde dem Turnverein die Auszeichnung „Sport pro Gesundheit“ durch den DOSB  (Deutscher olympischer Sportbund) verliehen. Dadurch erreichte unsere gute Arbeit eine noch stärkere Unterstützung durch die Verbände.

 

Desweiteren wurde 2008 die Tennisabteilung geschlossen.

 

Nach jahrelangen Planungen und Diskussionen wurde ebenfalls 2008 dem Bau einer neuen multifunktionalen Mehrzweckhalle an dem neuen Standort „Am Gänsberg“  in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zugestimmt.

Nachdem die Planung abgeschlossen war und die Baugenehmigung von der Stadt erteilt wurde, konnte 2009 zügig mit der Umsetzung unseres Hallenbauprojekts begonnen werden. Der symbolische „Erste Spatenstich“ für die neue Mehrzweckhalle mit einer großen Sporthalle mit Bühne (kann auch als separater Sportraum genutzt werden), zwei Gymnastikräumen, Bewirtschaftungsräumen und Geschäftsstelle, erfolgte am 26. August 2009. Dies war ein historischer Moment für unsere Turngemeinde.

 

Am 14. Dezember 2009 feierte der Verein Richtfest der neuen Mehrzweckhalle. Der Rohbau der neuen Halle war in weniger als 4 Monaten nach dem 1. Spatenstich fertig gestellt.

Das Jahr 2010 war geprägt von dem Abschied von unserer alten Vereinsturnhalle mit 163-jähriger Geschichte, dem Bau, dem Umzug, und der Einweihung unserer neuen Sportanlagen. 

Die Einweihung des TG Sportzentrums wurde mit einem großen Fest am 28. August 2010 gefeiert, das in der Öffentlichkeit und bei vielen Vereinsmitgliedern große Resonanz fand.

 

Desweiteren wurde in diesem Jahr ein Kooperationsvertrag mit dem Taekwondo Club Ingelheim (TCI) geschlossen. Dabei konnte das vom Landessportbund Rheinland-Pfalz anerkannte Landesleistungszentrum  des TCI in das TG-Sportzentrum integriert werden.

 

Mit der Öffnung des Fitnessraums TG-Vitalis im März 2011 konnte unser Sportzentrum eine weitere Attraktion für die Mitglieder der Turngemeinde hinzugewinnen und erwies sich sofort als Erfolgsmodell.

 

Die TG 1847 Nieder-Ingelheim hat sich in den letzten Jahren zu einem Verein entwickelt, der im Bereich des Seniorensports großartiges leistet. Dafür wurde sie 2011 vom Sportbund Rheinhessen mit dem Qualitätssiegel "Seniorenfreundlicher Sportverein" ausgezeichnet.

 

 

2012 besteht der Verein 165 Jahre und kann sich über mehr als 2300 Mitglieder freuen.